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Was ist Anthroposophie?

AUFSÄTZE > ANTHROPOSOPHIE

Die Anthroposophie ist eine Welterklärung, die nicht aus der Erforschung dere Physischen der Welt gewonnen wurde, sondern aus der übersinnlichen Erforschung des Geistigen, welches das Physische erst erzeugt. Sie ist deshalb eine Wissenschaft zu nennen, weil sie keineswegs auf Meinungen, Ansichten, Theorien, Thesen, Glaubenssätzen oder Spekulationen ihres Urhebers Rudolf Steiner basiert, sondern auf objektiv wahrgenommenem Geist. Der Naturwissenschaftler beobachtet und beschreibt die materielle Welt. Was er nicht beobachten kann, versucht der Philosoph durch logische Schlüsse zu ergründen. Der Geisteswissenschaftler aber beobachtet und beschreibt den Geist, dessen Existenz von dem an der Naturwissenschaft orientierten Materialisten geleugnet wird. So behauptet beispielsweise Theodor W. Adorno in seinen Thesen gegen den Okkultismus: „Geist dissoziiert sich in Geister und büßt darüber die Fähigkeit ein, zu erkennen, daß es jene nicht gibt.“ Adorno spricht dem Geist bzw. den Geistern die Existenz also ab, ohne dafür vorzulegen, was er vom Geisteswissenschaftler bzw. Okkultisten verlangt: den Beweis. Zwar war er Philosoph, aber seine Ansicht basierte auf dem dogmatischen Materialismus der Naturwissenschaften. Sein Irrtum bestand vermutlich darin, aus der Tatsache, daß er keine Geister sehen konnte, zu schließen, daß es keine gäbe. Wenn es aber keine Geister gibt - so Adornos Schluß -, kann es auch nicht deren Assoziation (vereinheitli­chen­der Zusammenschluß), kann es keinen „Geist“ geben. Adorno nimmt offenbar die eigene Unfähigkeit, Geister wahrzunehmen, als Beweis für deren Nicht-Existenz. Das ist ein unzulässiges Vorgehen, ja, es ist im höchsten Maße unphilosophisch.
Im Gegensatz zu Adorno besaß Rudolf Steiner die Fähigkeit Geist, bzw. immaterielle Existenz wahrzunehmen in besonders hervorragender Weise. Diese Fähigkeit ist in jedem Menschen angelegt, doch wird sie erst in der weiteren Zukunft für die Masse der Menschen wirklich werden. Der allgemeine Sprachgebrauch bezeichnet die geistige Wahrnehmung als „Hellsehen“ und meint damit aber in der Regel nur die häufiger vorkommenden primitiven Anklänge an die übersinnlichen Fähigkeiten eines Rudolf Steiner. Diese naturhaften Vorläufer, die nicht selten auch krankhafte Züge tragen, sind in keiner Weise mit den höchstrangigen Wahrnehmungsmöglichkeiten Steiners zu vergleichen oder gar gleichzusetzen. Er war der erste Mensch - und nach meiner Kenntnis bisher der einzige - der dieses neue Hellsehen, welches ohne jede Bewußtseinstrübung vom denkenden Bewußtsein begleitet, ja, geführt wird, vollkommen ausgebildet hatte. Viele der populär gewordenen Geisterlebnisse anderer Menschen, wie z. B. der Mediumismus basieren auf alten Kräften, die wohl in den entsprechenden vergangenen Zeiten ihre hohe Berechtigung und Bedeutung hatten, die aber heute Ungesundes in die Menschheit bringen - so jedenfalls berichtet es Rudolf Steiner -, so daß von allen alten Trance- und Meditationspraktiken, von allen Praktiken, die nicht im vollen Denkbewußtsein erlebt werden, dringend abgeraten werden muß. Will man die höheren Wahrnehmungen, die den Inhalt der Anthroposophie bilden, vom Prinzip her beschreiben, so kann man sich z. B. in die Lage eines tauben oder blinden Menschen zu versetzen versuchen. Der Taube lebt in einer stummen Welt, die für den Hörenden voller Klang ist. Ebenso wie die fehlende Fähigkeit des Hörens den Tauben von der Klangwelt ausschließt, so schließt die fehlenden Fähigkeit des Hellsehens einen sehr, sehr großen Teil der Menschheit vom bewußten Erleben der höheren Welten aus, obwohl diese höheren Welten alle Menschen umgeben und durchdringen ähnlich wie die Klangwelt auch den Tauben oder die Lichtwelt den Blinden umgibt.
Fragen wir z. B. nach dem Geheimnis des Lebens, nach dem, was die lebende Pflanze vom toten Stein unterscheidet, dann konstatiert die Naturwissenschaft Zellteilungsprozesse, deren Ursache sie in den Versorgungsprozessen der lebenden Organismen sieht (Licht, Wärme, Wasser, Luft, Nahrung etc.). Der Geisteswissenschaftler Rudolf Steiner schaut im Übersinnlichen das Leben eines jeden Wesens als einen übersinnlichen Kraftorganismus, der immaterieller Natur ist. Der physische Leib des Menschen ist also durchdrungen von einem Lebensleib, der den physischen Leib aufbaut und erhält. Der sogenannte Ätherleib ist unser Stoffwechsler und erschafft die physische Materie entsprechend den Stoffwechselprozessen. Er ist die treibende Kraft des Stoffwechsels. Die Kräfte und die geistige Substanzialität aus welcher der Ätherleib besteht, bildet aber eine vollständige Welt für sich: die Ätherwelt. Wie der physisch-mineralische Leib aus den Kräften und Stoffen der physisch-mineralischen Welt aufgebaut ist, so ist der Lebensleib aus der Kräften und Stoffen der Ätherwelt aufgebaut. Der Hellseher schaut eine Welt von Ätherleibern, welche die Architekten und Baumeister der physischen Leiber sind. Die Zellteilung ist lediglich eine Folge ihrer Arbeit. Verläßt aber ein Ätherleib seinen physischen Leib, so tritt augenblicklich der Tod ein und der Zerfall beginnt. Der mineralische Leib fällt unter die Gesetze der Minerale und verliert seine allein durch den Ätherleib bewirkte Form und Gestalt.
Ähnlich dem Leben verhält es sich mit der Fähigkeit der menschlichen und tierischen Organismen, sich selbst und die Welt zu bemerken. Die Wahrnehmungsfähigkeit oder die Reizbarkeit, die besonders in den Sinnesorganen hervortritt, ist nicht, wie die Naturwissenschaft annimmt, eine Fähigkeit der Nerven, sondern eine weitere übersinnliche Organisation des Menschen und der Tiere. Der sogenannte Astralleib ist ein unmaterieller Organismus, der den physischen Leib überall dort durchdringt, wo Empfindungs- oder Wahrnehmungsfähigkeit vorhanden ist. Er gibt Tier und Mensch ein erstes Bewußtsein, welches die Triebe und Instinkte zu ihrer Tätigkeit anregt. Auch der Astralleib entstammt einer eigenen Welt, dem sogenannten Astralplan, der auch als die Seelenwelt bezeichnet wird. So wie die physische Welt aus physischen Kräften und Stoffen besteht, so setzt sich die Astralwelt aus verschiedensten Sorten von Reizbarkeit zusammen. Die Astralwelt ist bevölkert von Astralwesen bzw. Seelen, und ein solches Wesen ist auch der im Menschen lebende Astralleib, der auch als die menschliche Seele bezeichnet wird.
Als ein weiteres Wesensglied der menschlichen Organisation erkennt der Geistforscher dann das eigentliche Wesen des Menschen, das Ich. Vereinfacht dargestellt repräsentiert das Ich des Menschen dessen Idee und Ursache. Es entstammt der geistigen Welt, welche eine Welt der Ursachen oder Schöpfungen ist. Hier ist alles Beginn, Idee, Absicht, Quelle, Ursprung, Urbild. Diese Welt des Geistes ist eine Art Gegenpol zur physischen Welt, welche das von den Ursachen Bewirkte darstellt. Das Physische ist eine Art Endprodukt des kosmischen Prozesses. Aber dieses Ich als Urbild des persönlichen Menschen hat Zugang zu anderen Urbildern, zu anderen Geistern oder Ichen und bringt in der menschlichen Seele diesen Zugang zum Bewußtsein, indem es schattenhafte Abbilder der zugänglichen Urbilder bewußt macht. Diese schattenhaften Abbilder von Urbildern nennen wir gewöhnlich „Gedanken“ und erleben an ihnen die schaffenden Ideen, die Geister, welche die Erscheinungen der physischen Welt bewirken. Dies ist allerdings nur dann der Fall, wenn man sich auf ein wirkliches Selber-Denken einläßt, nicht wenn man Gedankeninhalte von anderen Menschen mechanisch übernimmt. Wer gedanklich nur Gelerntes bewegt und nicht im Denken produktiv wird, lebt kaum noch in der Wirklichkeit, sondern nur in dem, was er für wirklich hält. Wer sich aber aufschwingt, die Wahrheit zu suchen, der kann durch sein Ich über das Schulwissen hinaus zu den geistigen Urbildern der Welterscheinungen vordringen.
Der Hellseher schaut, daß die persönliche Menschen-Idee jedes Einzelnen ein ewiges Geist-Wesen ist, welches schon viele Male auf der Erde gelebt hat, indem es in gewissen relativ großen Zeitabständen sich einen Astralleib, einen Ätherleib und zusammen mit den Eltern einen physischen Leib schafft, um wiederum ein Erdenleben zu durchleben. Nach dem Tode legt das Ich-Zentralwesen die Leiber nacheinander wieder ab, nimmt aber die Erträgnisse des Lebens in sich auf als feste Ich-Bestandteile, als Fähigkeiten. So befindet sich die gesamte Menschheit in einer kosmisch angelegten Höher-Entwicklung, welche nach einer gewissen vorgesehen Zeit endet und den Menschen auf höhere Entwicklungsstufen oberhalb des Menschseins führen wird.
Reinkarnation und Karma sind fundamentale Erkenntnisse der anthroposophischen Geisteswissenschaft. Ohne sie können die Existenz des Menschen überhaupt und die verschiedenen Lebensverläufe nicht wirklich begriffen werden. Denn die Unterschiede zwischen den Menschen und ihren Schicksalen werden erst verstehbar, wenn man das Karma als die treibende Kraft des Schicksals hinter der Biographie erkennt. Nicht der Zufall lenkt den Verlauf eines Lebens, sondern Karma, welches innerhalb der Notwendigkeiten weniger als Zwang, sondern mehr als Veranlagung, Neigung und Tendenz in die Geschicke eingreift. Die schicksalhaften Fügungen dieses Lebens sind Resultate vorangegangener Lebensläufe. Dies gilt im negativen wie im positiven Sinne. Auf diese Weise können die Schwächen und Fehler des einen Lebens ihre Korrektur, ihren Ausgleich in einem nächsten Leben finden, indem der Mensch sich durch sein Schicksal in schwer zu bewältigende Situationen hineinstellt. Schweres Leid im Leben ist meist das Resultat gewisser Verfehlungen oder Versäumnisse im Vorleben und wird auf diese Weise gelöst. Offenbar war es nicht möglich auf andere Weise einen Ausgleich zu schaffen. In ähnlicher Weise können die problemlos, die gut oder leicht erfolgreich verlaufenden Anteile des Lebenslaufes als Wirkung eines positiven Karmas verstanden werden. Aber nicht alles wird durch das Karma bewirkt und man sollte nicht versuchen, herausfinden zu wollen, was im Vorleben die heutigen Situationen bewirkt haben mag. Wichtig ist zunächst nur, daß es überhaupt mit diesem Gedanken probiert. Denn allein aus diesem ist es möglich, den Sinn der menschlichen Existenz in einer kontinuierlichen Höherentwicklung zu erkennen. Die Aussicht auf ein Leben nach dem Tode wird unter Berücksichtigung des Karmas nicht zur billigen Beruhigung der Angst vor dem Tode, sondern zum allerstärksten Antrieb, das gegenwärtige Leben in jeder Form bewußt zu nutzen und nicht - wie leider heute üblich - im Selbstzweck zu verschwenden.
Dies alles ist Bestandteil der übersinnlichen Schauungen des Geistforschers, dessen übersinnliche Fähigkeiten auch als Bewußtsein der Imagination, Inspiration und Intuition bezeichnet werden. Er schaut, wie der Mensch vor seiner Geburt und nach seinem Tode eine ebenso „lebendige“ aber immaterielle Existenz führt, wie während seiner irdischen Verkörperung. Er erkennt den Entwicklungsplan, nach welchem der Kosmos und der Mensch gebildet sind. Dabei zeigt sich, daß unser Kosmos aus einer Folge von sieben Sonnensystemen besteht, von denen jedes dem Menschen ein anderes Wesensglied zubereitet und hinzufügt. Die Schöpfung sieht also zunächst für uns, die wir gegenwärtig auf der Reifestufe des Menschen stehen, insgesamt sieben Wesensglieder vor, welche durch die Schöpfung bereits veranlagt sind und in sieben Stufen zusammengefügt werden. Mit „Mensch“ ist jene Entwicklungsstufe bezeichnet, auf welcher das „Ich“ als viertes Wesensglied zu den drei bereits vereinigten (Astralleib, Ätherleib, physischer Leib) hinzugefügt wird.
Das erste vergleichsweise so zu bezeichnende Sonnensystem, der alte Saturn, verlieh dem heutigen Menschen seinen physischen Leib in einer ersten Anlage. Das bedeutet, der im Geistigen als Idee vorhandene physische Leib begann erstmalig sich materiell auszugestalten - freilich nicht in einer dem heutigen Leib auch nur irgendwie ähnlichen Gestalt und auch nicht in einer der heutigen Materie auch nur irgendwie ähnlichen Substanzialität. Dennoch, was heute physischer Leib ist, hatte unter den völlig anderen Bedingungen des alten Saturn ein erstes materielles Dasein.
Das Darauffolgende zweite planetarische System, die alte Sonne, diente den Menschen-Vorläufern zur Einverleibung des Äther- oder Lebensleibes. Was heute der Baumeister des physischen Leibes ist, trat damals aus dem geistigen Dasein als reine Idee in ein erstes ätherisches Dasein.
In vergleichbarer Weise wurde der Astralleib dann auf dem alten Mond als dem dritten Sonnensystem mit dem in dem physischen Leib eingezogenen Ätherleib verbunden. Auch er existierte bis dahin nur als ideenhafte Veranlagung oder Möglichkeit und trat mit dem alten Mond erstmalig in die astrale Verwirklichung.
Das Ich wurde und wird während des vierten, des gegenwärtigen Sonnensystems, welches esoterisch „Erde“ genannt wird, in den Astralleib aufgenommen. Damit erst sind wir zur Würdestufe eines Menschen aufgestiegen, dessen Aufgabe darin besteht, dieses Ich immer tiefer und umfänglicher im Menschenwesen zu verankern und es dabei zur vollen Entfaltung seiner Fähigkeiten zu bringen. Erst auf der Erde hat der Mensch allmählich die heutige Gestalt entwickelt. Auch die Substanzen der physischen Erscheinungen haben erst nach und nach die heutige Form entwickelt. So war beispielsweise das Gestein noch vor wenigen Jahrtausenden wesentlich weicher und leichter zu formen. Die heutige Brüchigkeit und Splittrigkeit waren noch nicht vorhanden. Insofern sind alte Steinarbeiten ganz anders zu bewerten als heutige. Durch solcherlei Vergleiche wird deutlich, daß die Verhältnisse vergangener Sonnensysteme mit keiner der heutigen Erscheinungen verglichen werden können.
Der fünfte, einem Sonnensystem vergleichbare planetarische Zustand wird als künftiger Saturn bezeichnet und wird den Menschen auf die Würdestufe eine Engels emporzuheben versuchen, sofern die volle Ich-Reife auf der Erde erlangt wurde. Als „Engel“ bezeichnet man Wesen, die mit der Aufnahme des Geistselbstes bzw. Manas in den Wesengliederverband befaßt sind. Als sechstes Prinzip wird der sogenannte Lebensgeist oder Buddhi einzugliedern versucht, welches mit der Entwicklungsstufe eines Erzengels verbunden ist. Dieses sechste Stadium unseres Kosmos wird die künftige Venus genannt. Das siebte Wesensglied bildet das sogenannte Geistmensch- oder Atma-Prinzip, welches den gegenwärtigen Menschen auf dem siebten und letzten Sonnensystem des gegenwärtigen Kosmos, dem Vulkan, die Reife eines Arche verleihen wird.
Wenn also die Anthroposophie vom Menschen spricht, dann meint sie damit zwar den gesamten siebengliedrigen Wesengliederzusammenhang, von dem aber erst der physische Leib, der Ätherleib, der Astralleib und das Ich bereits zusammengefügt sind und als Mensch leben. Die Vorstufen unterhalb des viergliedrigen Menschen - so z.B. das dreigliedrigen Wesen, welches wir auf dem alten Mond waren - haben keine mir bekannten Namen. Die Namen für die Würdestufen der aufstrebenden Wesen in unserem Kosmos beginnen erst bei den viergliedrigen Wesen, den Menschen.

            Wesensglied                Entwicklungsstufe       kosmische Entwicklungsstufe
                                               Würdestufe                 Sonnensystem
1. physischer Leib                   (Mineral)                      alter Saturn     
            2. Ätherleib                  (Pflanze)                     alte Sonne
            3. Astralleib                 (Tier)                           alter Mond
            4. Ich                          Mensch                       Erde
und in Vorbereitung für die Zukunft bereits angelegt sind:
            5. Geistselbst               Engel                           Jupiter
            6. Lebensgeist             Erzengel                      Venus
            7. Geistesmensch        Arche                          Vulkan
Der Mensch ist also im wachen Tagesleben ein Wesen, welches vier seiner sieben Wesensglieder bereits zusammengefügt hat, was ihn befähigt, nicht nur einfach physisch da zu sein, wie der Stein, das tote Mineral, sondern auch zu leben, wie die Pflanzen, d. h. wachstums- und stoffwechselfähig zu sein. Pflanzen bestehen aus dem physischen Leib und dem diesen organi­sierenden Äther- oder Lebensleib, die beide fest miteinander verbunden sind, ­sich gegenseitig durchdringen. Das Tier besitzt über einen solchen Äther­leib hinaus auch einen Astralleib, der es befähigt, mit dem belebten physi­schen Leib wahrzunehmen und Bewegungen auszuführen. Der Mensch als „Krone der Schöpfung“ geht mit seinem denkenden „Ich“ noch über die Fähigkeiten des Tieres hinaus. Er kann den tierischen Instinkt, der eine Art automatisches Handlungsprogramm darstellt, nach eigenen gedanklichen Erwägungen aus seinem wollenden Ich heraus lenken. Das Tier verhält sich ausschließlich nach seinem „Naturprogramm“, nach seinem Instinkt. Der Mensch ist ebenfalls instinktbegabt, doch er kann in das automatische In­stinktwirken nach seinen Erkenntnissen eingreifen.
Zwischen Mensch, Tier und Pflanze besteht eine tiefe Verwandtschaft, doch entgegen der naturwissenschaftlichen Annahme, daß die Minerale aus Energie entstanden wären und dann auseinander hervorgehend Pflanze, Tier und Mensch sich entwickelt hätten, zeigt die Geisteswissenschaft, daß Mineral, Pflanze und Tier lediglich Abspaltungen aus der Entwicklung des Menschen darstellen. Mineral, Pflanze und Tier sind unsere nicht-Mensch-gewordenen Geschwisterwesen. Und zwar schieden schon auf dem ersten Sonnensystem, dem alten Saturn, auf dem sämtliche physischen Leiber der heute die Erde bevölkernden Wesen veranlagt wurden, die Minerale aus der gemeinsam begonnenen Ent­wicklung aus. Sie waren unfähig während des alten Saturn, ihre physischen Leiber weit genug zu entwickeln, um auf dem zweiten Sonnensystem das nächst­höhere Wesensglied des Ätherleibes in sich aufzunehmen. Sie blieben blo­ßer unvollendeter physischer Leib, während alle anderen Erdenwesen zur Eingliederung des Lebensprinzipes in den physischen Leib übergingen. Dies geschah - wie gesagt - in dem zweiten Sonnensystem, der alten Sonne, wobei wiederum eine ganze Anzahl von Wesen bei der Ätherleibs-Entwicklung hinter den anderen zurückblieb. Sie konnten den Ätherleib nicht vollenden und waren daher nicht fähig, auf der dritten Stufe der kosmischen Entwicklung den Astralleib aufzunehmen. Sie bestehen daher heute nur aus dem physischen Leib, der durchsetzt ist von einem un­vollendeten Ätherleib und bilden das Pflanzenreich. Und während beim Mineral nur der physische Leib in der physischen Welt anwesend ist, und die sechs anderen Wesensglieder von diesem getrennt in höheren Welten zu finden sind, haben die Pflanzen in der physischen Welt ihren pyhsischen Leib und fest mit diesem verbunden den unvollendeten ätherischen Leib.
Auch auf dem dritten Sonnensystem, dem alten Mond blieb eine ganze Anzahl der den Astralleib entwickelnden Wesen zurück. Sie konnten die empfangenen Astralleiber nur ungenügend ausbilden und blieben unfähig, auf dem vierten Sonnensystem, auf unserer heutigen Erde, das „Ich“ aufzunehmen. Sie bestehen aus einem physischen Leib, einem Ätherleib und einem unvollendet gebliebenen Astralleib und bilden heute die Wesen des Tierreiches. Allein die heute als Menschen lebenden Wesen waren zu Erdenbeginn fähig, ein Ich in ihren Wesensgliederverbund aufzunehmen. Mit seinen vier Wesens­gliedern ist also der Mensch ein sich noch in Entwicklung befindendes We­sen, während Tier, Pflanze und Mineral auf jeweils niedrigeren Vorstadien stehengebliebene Geschwisterwesen sind, die gegenüber dem Menschen eine der Gesamtentwicklung dienende Rolle bzw. Funktion eingenommen haben. Wenn nun der Mensch vor uns steht, so trägt er in seinem wahr­nehmbaren physischen Leib die übersinnlichen Wesenglieder des Ätherlei­bes, des Astralleibes und des Iches. Das Ich als der Geist oder die Idee des Menschen ist der eigentliche Mensch. Das Tier dagegen trägt in sich kein solches Ich. Es besteht nur aus dem physischen Leib, dem Ätherleib und der Seele, dem Astralleib. Das bedeutet aber nicht, daß es kein Tier-Ich gibt, sondern lediglich, daß sich das Tier-Ich nicht in dem vor uns stehen­den Tier befindet, sondern von außerhalb als ein Gruppen- oder Gattungs-­Ich auf alle Exemplare eine Gattung wirkt. Diese tierische Gruppenseele kann nicht direkt in das Leben der einzelnen Tiere eingreifen, sie kann nur langfri­stig angelegte Anpassungen an die sich ändernden Lebensbedingungen für die ganze Gattung bewirken. Ähnlich ist es bei den Pflanzen. Was wir von ihnen in der physischen Welt vorfinden bestehet nur aus physischem Leib und Ätherleib, aber ihr Astralleib und ihr Ich sind vorhanden - nur leben sie nicht in dem, was wir als Pflanze wahrnehmen. Auch die Minerale haben ihr Gattungs-Ich bzw. ihre Gruppenseele, doch diese haben noch weniger Nähe zu den durch sie auf der Erde bewirkten Erscheinungen als die Gattungs-­Iche der Pflanzen. Es ist ein wenig verwirrend, daß bei Tier, Pflanze und Mineral deren Ich als Gattungs- oder Gruppenseele bezeichnet wird. Das liegt vermutlich daran, daß der Begriff „Seele“ ein nur ganz allgemeiner ist und das Innere bezeichnet, so daß Rudolf Steiner auch das menschliche Ich als Seele oder Seelisch-Geistiges bezeichnet. Den Begriff des Iches für Tier, Pflanze und Mineral wird man vermutlich als Vergleichs-begriff auffassen müssen, denn ein Ich im eigentlichen Sinne hat nur der Mensch. Gemeint ist nach meiner Auffassung dasjenige, was bei Tier, Pflanze, Mineral mit dem menschlichen Ich vergleichbar ist, was aber kein Ich im Sinne des menschlichen Iches ist.
Nun sind aber für alle Wesen, die mit uns Menschen auf dem alten Saturn zur Ausbildung des physischen Leibes angetreten sind zunächst insgesamt sieben Wesensglieder geschaffen worden. Somit sind auch die höheren Wesenglieder des Geistselbstes, der Lebensgeistes und des Geistesmenschen für Mensch, Tier, Pflanze und Mineral veranlagt. Doch können Tier, Pflanze und Mineral diese nicht mehr in sich aufnehmen, weil sie bereits aus der Höherentwicklung ausgeschieden sind. Und für jeden einzelnen Mensch stellt sich die Frage, ob er den Aufstieg auf die höheren Würdestufen schaffen wird oder nicht. Nur jene Men­schen werden diese höheren Glieder in ihren Wesensgliederverbund aufnehmen können, die ihr Ich bis zum Erdenende zur vollen Entfaltung gebracht haben, die - wie Steiner es nennt - Vollmenschen geworden sind.
Durch bewußte Reinigung bzw. Vergeistigung des Astralleibes entsteht im Menschen schon in der gegenwärtigen zweiten Hälfte der Erdentwicklung eine Art Vorveranlagung des Geistselbstes. Insofern wird im Anthropsophischen von der Geistselbst-Bildung gesprochen. Ebenso kann durch bewußt ichhafte Umwandlung des Ätherleibes schon eine Veranlagung des Lebensgeistes geschehen. Eine Vorveranlagung des Geistmenschen ist gegenwärtig für den gewöhnlichen Menschen eher unwahrscheinlich, weil die Ver- oder Durch-Ichung des physischen Leibes, die bewußte Steuerung z. B. des Stoffwechsels, des Herzschlages oder der Atmung, eine sehr viel zu schwierige Aufgabe darstellt als die Durch-Ichung des Ätherleibes oder des Astralleibes. Der Eingeweihte jedoch, der in seiner Entwicklung dem Durchschnittsmenschen weit vorausgeeilt ist, muß diese Vergeistigungen vollzogen haben. Er steht nicht nur auf der Höhe eines Vollmenschen, sondern - je nach seinem Entwicklungsstand - gewissermaßen bereits auf der Entwicklungsstufe eines Engels, Erzengels oder gar Arche.
Während der ersten Hälfte der Erdentwicklung entstand aus der Durchdringung des Astralleibes mit dem Ich die Empfindungsseele. Sie ist eine Vorstufe des Geistselbstes und identifiziert den Menschen mit seinen Wahrnehmungen. Ich sehe, ich höre usw. Ebenso entstand als eine Vorstufe des Lebensgeist- oder Buddhiprinzips aus der Durchdringung des Ätherleibes mit dem Ich die Verstandes- und Gemütsseele. In dieser findet sich das Archiv und Weltbild des Menschen, welches nach den Gesetzen der Logik aufgebaut und gepflegt wird. Und schließlich entstand aus der Durchdringung des physischen Leibes mit dem Ich als eine Vorveranlagung des Geistesmenschen, die Bewußtseinsseele. In ihr bewegt der heutige Mensch das Wahre, Schöne und Gute. Seit dem Jahre 1413 ist diese Bewußtseinsseele in eine besondere Phase ihrer Ausbildung getreten. Erstmalig kann potentiell jeder Mensch zu jeder Erscheinung der Welt den verursachenden Geist, das Ideenwesen selber erreichen und in Form von schattenhaften Abbildern als Begriffe und Ideen zum Bewußtsein bringen. Erstmalig seit Erdenbeginn ist der Mensch wahrheitsfähig. Die Bewußtseinsseele soll das Ich auf sich selbst stellen. Der Mensch des Bewußtseinsseelenzeitalters soll allein in sich selbst Halt finden, sich nicht mehr stützen auf andere wie z. B. den Lebens-Partner, die Familie, den Status, die Kirche, das Volk, die Wissenschaft, die Profession, die Firma oder die Mannschaft. Es soll der Mensch ganz autark in sich werden.
Im Äußeren aber bilden die Menschen in der mitteleuropäischen Kulturperiode das Wirtschaftsleben stark aus. Man kann das sehr gut verfolgen, wenn man sich vor Augen stellt, daß seit dem 15. Jahrhundert das Wirtschaftsleben zunehmend stärker in den Mittelpunkt des Menschenlebens getreten ist und heute zum einzig wichtigen Inhalt der allgemeinen Kultur geworden ist. Dies ist gewiß im Sinne der Menschheitsentwicklung, sofern dabei die andere Seite der Bewußtseinsseele nicht zugunsten des Wirtschaftslebens verdrängt wird: das Wahre, Schöne und Gute. Mit diesen Impulsen hätte der heutige Mensch das Wirtschaftsleben zu durchdringen und zu veredeln - wohlan!
Die Verstandesseele wurde vom siebten vorchristlichen Jahrhundert an ausgebildet, in der griechisch-römischen Kulturperiode. Hier wurde äußerlich das Rechtsleben abgebildet. Dies zeigte sich in der durch Gesetze geregelten Staats- und Lebensform, welche durch Rom auf die sämtlichen eroberten Völker übertragen wurde. Das ist in gewissem Sinne die äußere Abbildung der im Inneren durch den Verstand erlebten Rechtsauffassungen.
Und die Empfindungsseele wurde in den 2160 Jahren der bis zum siebten Jahrhundert dauernden ägyptischen Hochkultur ausgebildet. In dieser Zeit bildete man äußerlich das Geistesleben ab - daher die vielen Sakralbauten in Ägypten. Die zahlreichen Tempelanlagen sind in Stein gehauene ägyptische Religion. Die Ägypter suchten ihr inneres religiöses Erleben äußerlich darzustellen.
Die Entwicklung der Erde gliedert sich in sieben sogenannte Wurzelrassen oder Hauptentwicklungsepochen, die je aus sieben Kulturperioden bestehen, von denen jede sich über 2160 Jahre erstreckt. Diese Jahresanzahl gilt vor allem für die gegenwärtige und die vorangegangene Hauptrasse. Eine Wurzelrasse ist eine bestimmte Form des Menschen und des Menschseins, die sich von den übrigen sechs kolossal unterscheidet. Was hier Rasse genannt wird, hat allerdings nichts mit dem gewöhnlichen Rasse-Begriff zu tun. In alten Überlieferungen finden sich Anklänge an die völlig andere Menschengestalt der vorangegangenen Wurzelrasse. So war der Mensch der atlantischen Zeit über weite Strecken äußerlich halb Tier halb Mensch. Gestalten wie Kentauern, Sphinxen und Satyre erinnern noch an diese Form des Menschenleibes. Während der lemurischen Wurzelrasse soll - laut Rudolf Steiner - der Mensch unterhalb des Kopfes einem Lurch sehr ähnlich gesehen haben. Die Tradition des afrikanischen Volkes der Dogon erinnert sich noch, daß ihre Vorfahren Amphibien waren.
Die Erdenentwicklung begann mit der sogenannten polarischen Wurzelrasse, die eine geraffte Wiederholung des alten Saturn darstellt. Das ganze Sonnensystem war ein einziger großer Wärmeplanet. Die zweite Wurzelrasse war die hyperboräische Zeit, während derer sich die Sonne von den übrigen Planeten abspaltete. Hyperboräa war eine kurze Wiederholung der alten Sonne. Während der dritten Haupt- oder Wurzelrasse trennte sich der Mond von der Erde und das Sonnensystem nahm allmählich die heutige Form an. Die Lemuris wiederholt den alten Mond und ist die Zeit, in welcher der sogenannte Sündenfall, wie ihn die Bibel beschreibt, stattfand. Aus dem Paradies vertrieben, begannen die Menschen sich auf der Erde zu inkarnieren. Der bis dahin androgyne Mensch verlor seine Fähigkeit, sich selbst einen neuen physischen Leib zu schaffen. Die Hälfte der damaligen Reproduktionskraft wurde ihm genommen und zur Entwicklung des Denkens bereitgestellt. Seither bedarf es zweier Menschen, um einen Leib neu zu erzeugen: Mann und Frau. Die vierte Wurzelrasse ist die atlantische, die den lemurischen Lurch-Körper über die Kentauer-Sphinx-Form bis zur heutigen Gestalt umbildet. Die sieben Kulturperioden der atlantischen Wurzelrasse brachten sieben verschiedene Unter-Rassen hervor, welche die Grundlage abgaben für den heutigen Leibesmenschen der fünften Wurzelrasse. In etwa fünftausend Jahren wird die gegenwärtige Form des Menschen schon nicht mehr erhalten sein. Der Mensch wird bis dahin wieder androgyn geworden sein und ohne eine geschlechtliche Befruchtung durch seinen Kehlkopf den Leib für seinen Nachwuchs hervorbringen können. Er wird in den völlig andern Typus der sechsten Wurzelrasse nach und nach übergehen. Das Erdenende folgt dann auf die letzte, die siebte Wurzel- oder Hauptrasse, welche dann schon den Übergang in ein nächstes Sonnensystem erkennen lassen wird. Für diese beiden zukünftigen Wurzel- oder Hauptrassen gibt es meines Wissens keine besonderen Namen.  
Der uns umgebende Kosmos ist als eine Wesensordnung von verschiedensten Gattungen und Würdestufen aufzufassen, deren neun Hauptgattungen die Organe des Schöpfergottes „Christus“ bilden. Der Mensch soll das zehnte Organ bzw. die zehnte Hierarchie werden. Rudolf Steiner spricht in manchen Zyklen von neun Einzel-Hierarchien. Meistens aber bezeichnet er die höchsten drei Gattungen der Seraphim, Cherubim, Throne zusammengefaßt als die erste Hierarchie, die Kyriotetes, Dynamis, Exusiai als die zweite und die Archai, Erzengel und Engel als die dritte Hierarchie.

Trinität                                                                                   Vater
                                               Sohn - Logos
            hl. Geist - Mutter
            *******************************************************************
1. Hierarchie                                                             1.) Seraphim
                                               2.) Cherubim
            3.) Throne
 
2. Hierarchie                                                             4.) Kyriotetes -
                                                                                  Geister der Weisheit
                                               5.) Dynamis -
                                               Geister der Bewegung
            6.) Exusiai -
            Geister der Form
 
3. Hierarchie                                                             7.) Archai -
                                                                                  Geister der Persönlichkeit
                                               8.) Erzengel -
                                               Geister des Feuers
            9.) Engel -
            Geister des Zwielichtes
                                               
           10.) Mensch                                                                          

Um den Menschen zu einem frei wollenden Wesen umzugestalten, war es notwendig, die alte Trinität aus Mutter, Sohn und Vater in gewissen Aspekten zu ersetzen durch eine sogenannten neue Trintät. Der Sohnes-Geist erbte gewissermaßen den Kosmos vom Vaterprinzip und veränderte vor Erdenbeginn das Uratom, die Schöpfungsidee, derart, daß seither in deren Zentrum der frei wollende Mensch steht. Die gegenwärtigen, den Kosmos oberhalb der Menschen erfüllenden Hierarchien-Wesen besitzen sämtliche keinen freien, keinen eigenen Willen. Der Vaterkosmos war getragen vom Willen des Vaters. Alle Wesen unterhalb seiner taten, was sein Wille bzw. was der Wille der alten Trinität war. Der Erbe, der Sohnesgott „erfindet“ die frei wollenden Wesen und erprobt seine Erfindung am Menschengeschlecht. Er führt den freien Willen auf der vierten Würde- oder Entwicklungsstufe, auf der Stufe des vierten Wesensgliedes ein. Es handelt sich also um eine gewaltige Neuerung innerhalb des gesamten kosmischen Schöpfungsplanes. Zur Verwirklichung dieser Neuerung, wurde es erforderlich, die neue Trinität zur Schaffung einer ganz besonderen Menschenwelt einzusetzen. Um den freien Willen entfalten zu können, wurde dies materiell-mineralische Welt erschaffen, eine Maja-Welt, in welcher der Mensch schadensfrei für den übrigen Kosmos, den freien Willen würde erproben können, mit all den Irrungen und Wirrungen, die das menschliche Dasein begleiten. Man mache sich das nur ganz klar: die materielle Welt, welche die meisten für das Ein-und-Alles halten ist nur eine Maja. Maja bedeutet Täuschung. Die alten Inder bezeichneten die mineralisch-materielle Welt als Täuschung, weil sie noch den Rest eines dekadent gewordenen Hellsehen besaßen, welches sie erkennen ließ, daß die Materie nur eine Art Übungs-Stoff für die frei werden sollenden Menschen ist. Sie sahen noch die hinter der Materie arbeitenden Wesen, welche die materiellen Erscheinungen erzeugen. Sie wußten noch, daß nur das Geistige real ist. Doch sie zogen die falschen Schlüsse daraus, indem sie meinten sich nicht um die Materie kümmern zu müssen.
Um aber diese Maja-Welt zu erzeugen, mußte in der Trinität an die Stelle des Mutter-Prinzips bzw. des heiligen Geistes ein anderes Wesen gestellt werden, welches eine abweichende Entwicklung durchgemacht hatte gegenüber den Wesen des Mutterprinzips. Dieses andere Wesen, wurde von Rudolf Steiner als ein Bruder des Christus bezeichnet und sein Name ist „Luzifer“. Jener Gott, den die kirchliche Überlieferung einen Teufel nennt, ist ein vom Schöpfergott herbeigeholtes Wesen, welches in gewisser Beziehung eben ein Bruder des Christus genannt werden kann. Das bedeutet nicht, daß dieses Wesen und alle zu seiner Wesensart gehörigen Wesen, dem Menschen nicht gefährlich werden können, doch es muß diese Tatsache als von der Schöpfung gewollt betrachtet werden.
Auch das Vaterprinzip der Trinität mußte in gewisser Weise ersetzt werden durch einen anders gearteten Geist, dessen Name „Ahriman“ lautet. Auch er soll von Rudolf Steiner - so berichten dessen damalige Schüler - ein Bruder des Christus genannt worden sein. Er stammt aus einem anderen Kosmos mit einer völlig anderen Entwicklung. Auch Ahriman ist in der Bibel zu finden und zwar als Satan. Das kirchliche Weltbild faßt Luzifer und Satan zusammen zu einem Teufel und führt damit jeden Versuch, den Menschen und die Welt verstehen zu können in die Absurdität. Der Satan und seine Heerscharen sind gewiß mindestens ebenso gefährliche Wesen, wie die Wesen der luziferischen Gattung, doch auch er wurde von unserem Schöpfergott herbeigeholt, um dem Menschen die materiell-mineralische Welt zu erschaffen, in welcher er sich den freien Willen würde aneignen können. Aus dieser Veränderung der kosmischen Führung ergab sich also, was Rudolf Steiner die neue Trinität nannte aus Luzifer, Christus und Ahriman. Diese, dem traditionellen Christentum zuwiderlaufende Beschreibung des göttlichen Prinzips, welches unserem Kosmos zugrunde liegt, schreckt viele Menschen ab - sehr zu Unrecht. Denn wer sich bemüht, die neue Trinität zu verstehen, der merkt, wie er dadurch erst beginnt, die Welt und den Menschen wirklich zu verstehen. Er versteht, daß er als frei werden sollender Mensch zwischen zwei polar entgegengesetzt wirkende Kräfte gestellt ist, um in jeder Sekunde seines Lebens ein angemessenes Gleichgewicht dieser beiden Luzifer und Ahriman genannten kosmischen Kräfte herzustellen. Die Fähigkeit zum Gleichgewicht ist eine Gabe des Christus, welche dieser dem Menschen verlieh. Menschsein heißt also, Luzifer und Ahriman zu verchristen.
Darin aber, daß der heutige Mensch dies gewöhnlich nicht weiß und daher sich selbst und die Welt nicht verstehen kann, besteht gerade die Magie des heutigen Materialismus. Die kirchliche Überlieferung, welche eigentlich dem Menschen die wahren Zusammenhänge der geistigen Welt übermitteln soll, vertuscht die Tatsache der neuen Trinität und wirft die beiden Mitschöpfer Luzifer und Satan zu nur einem Teufel zusammen. Hier wirken Kräfte, welche die vorgesehene Höherentwicklung der Menschen verhindern wollen, um Gewalt über die irregeleiteten Menschen zu bekommen. Wer heute nur dem glaubt, was ihm über das Menschsein und die Welt auf dem gewöhnlichen Wege beigebracht wird, der wird am Erdenende kaum fähig sein, ein Geistselbst in sein Ich aufnehmen zu können. Dann aber würde der Mensch nicht auf die nächste Würdestufe aufsteigen können, er würde nicht zum frei wollenden Engel werden können. Dies wiederum zu verhindern, ist die Mission der Anthroposophie. Sie versucht ganz im wahrhaft christlichen Sinne dem in unserer Zeit materialistisch gewordenen Menschen den unabdingbaren Rückweg zum Geist zu ermöglichen. Dabei darf nicht übersehen werden, daß der Weg durch den Materialismus nötig war und ist, um den Menschen zu einem frei wollenden Wesen werden zu lassen. Doch ebenso, wie die Verdunkelung alles Geistigen einmal geschehen mußte, so muß der frei gewordene Mensch nun freiwillig das Geistige sich zurückerobern, sofern er die Höherentwicklung zur Engelwürde frei will. Will er sie nicht, so kann er darüber heute selbst entscheiden, dann wird er letztlich aus der Menschheitsentwicklung ausscheiden und ein anderes Wesen werden. Dies steht dem Freiwollenden selbstverständlich frei und soll nicht bewertet werden. Problematisch ist nicht, wie der Einzelne entscheidet, sondern ob er sich für seinen Weg bewußt entscheidet. Wer weiß, daß sein Weg ihn in luziferische Höhen oder in ahrimanische Tiefen führt, dessen Entscheidung soll nicht kritisiert werden. Wenn aber Menschen ohne es zu wissen in die eine oder andere Form der Entmenschung hineinrutschen, ohne es zu wissen, dann ist das im höchsten Maße problematisch.
Daher gehören die Angaben zur neuen Trinität mit zum Tiefsten und Wichtigsten der Anthroposophie, welches gewiß in dieser doch sehr kurzen Form kaum befriedigend erklärt werden kann. Das gilt in gewissem Maße auch für die anderen Angaben dieser Ausführungen, so daß jedem, dem diese Dinge neu sind, unbedingt empfohlen werden muß, die entsprechenden Bücher Rudolf Steiners zu lesen. Seine Darstellungen sind die wirklich authentischen Berichte über die geistigen Zusammenhänge der Welt. Dagegen ist alles, was ich schreibe, nur als Hinweis auf Rudolf Steiner zu verstehen.

 
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